Auf die Futtermenge kommt es an!
Ann Högberg
Die Welpenzeit ist der wichtigste Abschnitt im Leben des Hundes. Jetzt schaffen Sie bei richtiger Fütterung die Grundlage für ein langes und gesundes Leben Ihres Vierbeiners. Eine falsche Ernährung im Welpenalter kann andererseits später zu Gelenkproblemen, Herz-/ Kreislaufkrankheiten und Diabetes führen.
Große Unterschiede zwischen Rassen
Hunde verschiedener Rassen unterscheiden sich auf vielerlei Art, nicht zuletzt in der Größe: von sehr kleinen Rassen wie z.B. dem Chihuahua bis hin zu sehr großen Hunden wie der Deutschen Dogge. Je nach Größe der Rasse unterscheidet sich auch, wie lange der Hund wächst und wann er sein Erwachsenengewicht erreicht hat. Hunde kleiner Rassen erreichen ihr ausgewachsenes Gewicht mit einem Jahr, große Rassen wachsen bis zum Alter von zwei Jahren, manchmal sogar noch länger. Abb. 1 zeigt die Wachstumskurven für verschiedene Hunderassen.
Abb. 1. Wachtumskurven für verschiedene Rassen (nach Hand et al., 2000 und Sallander et al., 2000)
Während der ersten fünf Lebensmonate steigt die Kurve für die verschiedenen Rassen unterschiedlich stark an. Je größer der erwachsene Hund, desto steiler die Kurve – d.h. umso schneller ist der Gewichtszuwachs. Eine allzu schnelle Gewichtszunahme ist auf Dauer jedoch schädlich, da dann keine optimale Entwicklung und Reife des Skeletts erfolgen kann. Bei zu schnellem Wachstum besteht das Risiko, dass beispielsweise die Skelett- und Gelenkentwicklung mit der übrigen Körperentwicklung nicht mithält. Die maximale Wachstumsgeschwindigkeit ist nämlich nicht dasselbe wie die optimale Wachstumsgeschwindigkeit. Bei einem optimalen Wachstumstempo hat der Körper genügend Zeit, sich normal zu entwickeln.
Wachstumsrichtlinien
Im Alter von zwei bis fünf Monaten wächst der Welpe am schnellsten. Eine angemessene Gewichtszunahme in diesem Alter liegt bei zwei bis vier Gramm pro Tag und Kilogramm Erwachsenengewicht (Tab. 1).
Wiegen Sie den Welpen einmal pro Woche und vermerken Sie die Werte in einer Wachstumskurve. Wichtig ist, dass das Wachstum langsam und gleichmäßig erfolgt. Je größer die Hunderasse desto wichtiger ist es, dass der Hund langsam wächst.
Tab. 1. Empfohlene Wachstumsgeschwindigkeit bei Hunden im Alter von zwei bis fünf Monaten (Debraekeleer et al., 2000)
| Erwachsenengewicht des Hundes (kg) |
Empfohlener Zuwachs pro Woche (g) |
| 5 |
70-140 |
| 10 |
140-280 |
| 15 |
210-420 |
| 20 |
280-560 |
| 25 |
350-700 |
| 30 |
420-840 |
| 35 |
490-980 |
| 40 |
560-1120 |
| 45 |
630-1260 |
| 50 |
700-1400 |
| 55 |
770-1540 |
| 60 |
840-1680 |
| 65 |
910-1820 |
| 70 |
980-1960 |
| 75 |
1050-2100 |
| 80 |
1120-2240 |
Wachstumsgeschwindigkeit
Entscheidend dafür, wie schnell der Welpe wächst, ist die Energiemenge die der Welpe täglich zu sich nimmt. Eine größere Energiezufuhr führt zu schnellerem Wachstum, weniger Energie verlangsamt den Wachstumsprozess. Die Wachstumsgeschwindigkeit hängt also direkt von der Futtermenge ab, die Sie dem Welpen verabreichen.
Wiegen Sie Ihren Welpen jede Woche und regulieren Sie die Gewichtszunahme entsprechend der in Tabelle 1 angegeben Werte, in dem Sie die Futtermenge entsprechend anpassen. Zahlreiche Studien haben belegt, dass eine begrenzte Futtermenge das Leben eines Hundes um fast zwei Jahre verlängern kann.
Erwachsenengröße
Die Größe die Ihr Welpe als ausgewachsener Hund erreichen wird, ist erblich bedingt. D.h. Ihr Hund wird als erwachsener Hund nicht kleiner als sonst sein, wenn Sie den Empfehlungen in Tabelle 1 folgen. Der Hund wird selbstverständlich seine normale Körpergröße erreichen, nur wird der Wachstumsprozess bei einem schlanken Hund etwas längere Zeit beanspruchen. Diese Tatsache ist jedoch nur von Vorteil für die Gesundheit Ihres Hundes und insbesondere für sein Skelett, da es so ausreichend Zeit hat, stark genug für den heranwachsenden Körper zu werden.
Überernährung
Überschüssige Energie wird in Form von Fettzellen im Körper gelagert. Wie viel Fett eingelagert werden kann, hängt von der Anzahl der Fettzellen und deren Größe ab.
Während der Wachstumsphase entscheidet sich bereits, über wie viele Fettzellen der ausgewachsene Körper später verfügt. Ein übergewichtiger Welpe bildet mehr Fettzellen und kann so besser Fett im Körper einlagern. Probleme mit Übergewicht im Erwachsenenalter sind damit vorprogrammiert.
Es ist allgemein bekannt, dass Übergewicht zu Folgekrankheiten wie Herz- und Kreislaufproblemen und Diabetes führt. Übergewicht bedeutet auch, dass der Welpe mit maximaler Geschwindigkeit wächst. So wird der Körper mit mehr Gewicht belastet, als das noch nicht fertig entwickelte Skelett tragen kann. Schlimmstenfalls können für einen ansonsten völlig gesunden Hund lebenslange Gelenkprobleme die Folge sein.
Was schadet dem Hund?
Ein falsche Zusammensetzung des Futters, d.h. wenn das Nährstoffverhältnis nicht ausgewogen ist, kann zu Mangelernährung führen. Ein Alleinfutter hat eine ausgewogene Zusammensetzung und enthält alles was der Hund braucht. Die zusätzliche Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln kann dieses Gleichgewicht stören. Einige Mineralstoffe und fettlösliche Vitamine können in zu großer Dosis sogar gesundheitsschädlich sein.
Überfütterung und Unterernährung, aber auch ein unausgewogenes Kalzium-Phosphorverhältnis führen also zu Gesundheitsproblemen, wie beispielsweise im Skelett und in den Gelenken. Auch die zusätzliche Gabe von Fett in größeren Mengen ist schädlich und kann ein zu schnelles Wachstum oder Übergewicht zur Folge haben.
Dr. agr. Ann Högberg