Mangelhafte Kastration der Katze
Lena Myrenius
Einer unserer Kunden ließ vor einem Jahr seine Katze kastrieren. Nun ist die Katze wieder läufig. Tierärztin LENA MYRENIUS erklärt hier mögliche Ursachen.
Es kann vorkommen, dass bei Katzen mehrere Wochen, und sogar Jahre, nachdem Eierstöcke und Gebärmutter chirurgisch entfernt wurden, Zeichen von Läufigkeit auftreten. Häufigste Ursache dafür ist, dass Teile des Eierstocks zurückgelassen wurden oder so ungewöhnlich platziert waren, dass sie im Körper zurückblieben. Häufig sind auch Zellen aus dem Eierstock unbeabsichtigt in den Bauchraum gelangt und haben sich dort gestreut. Hormonproduzierende Tumore sind ungewöhnlich.
Um sicherzugehen, dass die Läufigkeit durch Eierstockreste verursacht wurde, entnimmt der Tierarzt während der Läufigkeitsperiode Zellproben aus der Vagina der Katze. Es kann auch mithilfe einer Blutprobe der Gehalt des Hormons Östrogens gemessen werden. Wird das Verhalten durch Eierstockreste hervorgerufen, zeigen die Zellproben dieselben Zellveränderungen, wie bei nicht sterilisierten läufigen Katzen. Die Blutprobe zeigt erhöhte Östrogenwerte.
Eierstockreste sollten auf chirurgischem Wege entfernt werden, da das Risiko besteht, dass sich diese zu einem Tumor entwickeln. Es besteht auch ein erhöhtes Risiko für Brusttumore, wenn Eierstockreste zurückbleiben. Die Eierstockreste befinden sich nicht nur im umgebenden Gewebe, sondern die gestreuten Zellen können auch an anderen Organen haften, z.B. an der Bauchwand oder im Darmnetz. Auch wenn der Tierarzt den Bauchraum sorgfältig untersucht, kann für eine erfolgreiche Suche mehr als eine Operation erforderlich sein. Entferntes Gewebe muss histologisch untersucht werden, um die Diagnose bestätigen zu können.
Eine häufige Frage - jedoch unter umgekehrten Vorzeichen - ist die, ob eine Katze mit unbekannter Vorgeschichte kastriert ist oder nicht. Für einen frischgebackenen, unerfahrenen Katzenbesitzer ist es nicht unbedingt empfehlenswert, eine eventuelle Läufigkeit abzuwarten, da ungeplante Katzenkinder nicht erwünscht sind. Ein Abrasieren des Fells, um Operationsnarben ausfindig zu machen, ist keine zuverlässige Methode. Ein Ultraschall, oder gar das Öffnen des Bauchraumes kann erforderlich sein, um festzustellen, ob die Gebärmutter entfernt wurde oder nicht.
Auch bei Katern kann es vorkommen, dass diese nach der Kastration dasselbe Verhalten zeigen wie vorher. Eine Untersuchung mit den Fingern scheint einfach, da die Hoden äußerlich sitzen. Ist jedoch die Vorgeschichte des Tieres nicht bekannt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Tier einseitig oder beidseitig kryptorchid ist. Das bedeutet, dass einer oder beide Hoden beim heranwachsenden Tier nicht in den Hodensack gewandert sind, sondern im Bauchraum verblieben sind. Ein nicht kastrierter, hormonproduzierender Kater lässt sich durch Inspektion des Penis identifizieren, da sich dann zackenförmige Fortsätze an diesem befinden.
Unterschied kastrieren und sterilisieren
Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen des Tieres entfernt. Das bedeutet bei einem Kater, dass beide Hoden entfernt werden. Bei einer Katze werden durch einen kleinen Bauchschnitt die Eierstöcke entfernt. Die Tiere werden unfruchtbar und weisen somit kein Sexualerhalten mehr auf. Eine Katze wird also nicht mehr rollig und Kater stellen ihr Markierverhalten, sowie aggressive Raufereien weitestgehend ein.
Eine Sterilisation beinhaltet nur eine Durchtrennung der Keimdrüsenleiter, also der Samen- bzw. Eileiter. Die Tiere sind also unfruchtbar, behalten jedoch ihr Sexualverhalten bei. Im Gegensatz zur Kastration ist das Risiko zu Tumoren und Entzündungen in der Gebärmutter und in den Milchdrüsen nach einer Sterilisation weiterhin hoch.
In der Medizin wird häufiger eine Kastration vorgenommen.
Katzen und Kater werden bereits ab ca. dem vierten Monat geschlechtsreif, sodass schon zu diesem Zeitpunkt eine Kastration Sinn macht. Eine bereits tragende Katzen kann nicht kastriert werden.