Mein Hund kratzt sich – was kann ich dagegen tun?

von Marianne Mellgren


Juckreiz gehört zu den häufigsten Ursachen, warum Hundebesitzer den Tierarzt aufsuchen. Tierärztin MARIANNE MELLGREN gibt Ratschläge für Hundebesitzer, deren Hunde an Juckreiz leiden. Zunächst sollte man - genau wie der Tierarzt - untersuchen, ob es sich um Ungeziefer handelt.

Läuse


Ein Lausbefall ist mit schwachem bis mittlerem Juckreiz verbunden, ohne dass es dabei zu größeren Hautveränderungen kommt. Meistens kratzt sich der Hund mit den Hinterpfoten an den Brustseiten und hinter den Ohren (Abb. 1).
Am häufigsten kommt die blutsaugende Laus vor. Sie ist braungelb, und nachdem sie sich vollgesaugt hat, ist ihr Hinterteil relativ groß. Die Laus kann ca. zwei Millimeter lang werden.
Seltener sind die sogenannten Haarlinge, d.h. Läuse, die sich vom Fell ernähren. Sie sind aktiver und bewegen sich schnell im Fell.
Die Eier der Laus (Nissen) sind millimetergroß, etwas oval und glänzend und haften mit einem klebrigen Sekret am Haar. Läuse und Nissen sind sichtbar oder können mit einem Spezialkamm aus der Apotheke gefunden werden.

 

Behandlung

Eine einfache Behandlung ist mit Spot-on-Präparaten aus der Apotheke möglich. Die Behandlung sollte möglichst nach drei bis vier Wochen wiederholt werden. Im Zoofachhandel sind auch spezielle Shampoos erhältlich. Diese sollten Permethrin1 enthalten, um wirksam zu sein. Außerdem muss gründlich vorgegangen werden; der gesamte Hund, auch das Gesicht, muss schamponiert werden. Das Shampoo muss mindestens zehn Minuten einwirken. Die Decke des Hundes muss bei 60 Grad gewaschen werden, gleichzeitig muss die gesamte Wohnung staubgesaugt und feucht gewischt werden. Läuse überleben kaum außerhalb des Wirtstieres. Haarlinge können jedoch einige Tage überleben und mit Kämmen und Bürsten übertragen werden.
Normalerweise werden Läuse allerdings von ”Nase zu Nase” übertragen. Informieren Sie deshalb andere Hundebesitzer!

 

Fuchsräude

Ein Befall mit diesen häufig vorkommenden Milben ist mit deutlich kräftigerem Juckreiz und zudem mit Hautveränderungen verbunden. Diese Parasiten sind sehr klein und nicht mit dem bloßen Auge sichtbar. Außerdem bohren sie Gänge in die Haut; d.h. sie leben unter der Haut.
Die Ansteckung mit Fuchsräude geschieht in erster Linie direkt vom Fuchs oder wenn sich der Fuchs beispielsweise an einem Baumstamm gekratzt hat und der Hund anschließend damit in Kontakt kommt. Wer sich viel mit dem Hund in der freien Natur aufhält, sollte daher bei Juckreiz besonders aufmerksam auf einen eventuellen Befall sein. Nach einigen Wochen sind oft Wunden und Ekzeme an den Außenseiten von Ellenbogen und Ohren zu sehen.

 

Behandlung

Zur Behandlung der Fuchsräude sind leider keine rezeptfreien Medikamente erhältlich, sondern sie müssen vom Tierarzt verordnet werden. Außerdem sind zu Hause dieselben Reinigungsmaßnahmen wie beim Lausbefall erforderlich.

 

Schuppenmilben

Auch bei Schuppenmilben (Cheyletiellose) sind Reinigungsmaßnahmen außerordentlich wichtig, denn diese Milben können länger in der Umgebung überleben. Das gilt insbesondere, wenn sich mehre Haustiere im Haushalt befinden. Cheyletiellose ist eigentlich wirtsspezifisch, d.h., es wird nur eine bestimmte Tierart befallen. Da die Milben jedoch lange Beine haben und äußerlich leben, kann eine Übertragung auf andere Hautiere, wie z.B. Katzen, erfolgen.
Schuppenmilben treten vor allem bei Welpen aus großen Zwingern auf, sowie bei Hunden, die viel auf Ausstellungen sind oder zum Trimmen gehen (Ansteckung über Scheren und Kämme). Die Milbe verursacht leichten bis mittleren Juckreiz. Die Hunde werden in erster Linie am Rückenende schuppig.
Die Milbe ist nur unter dem Mikroskop oder einem starken Vergrößerungsglas sichtbar. Genau wie bei der Laus kleben die Eier am Fellhaar. Allerdings sind sie nur unter Vergrößerung sichtbar.

 

Behandlung

Die Behandlung ist dieselbe wie beim Lausbefall. Wenn sich viele Tiere im Haushalt befinden, muss die Behandlung über einen langen Zeitraum hinweg wiederholt werden.

Bei allen oben genannten Formen des Parasitenbefalls sollten sämtliche Hunde in der Familie mitbehandelt werden (bei Schuppenmilben auch alle anderen Tiere).

 

Flöhe

Hin und wieder können Hunde von Flöhen befallen werden. In unserer gemäßigten Klimazone handelt es sich um Flöhe von Wildtieren, wie z.B. Vogel-, Dachs- und Eichhörnchenflöhe. Im Frühjar, wenn Igel und Dachs ihren Bau verlassen und der Hund darin wühlt, springen die Flöhe auf den Hund über. Dort fühlen sie sich jedoch nicht besonders wohl und pflanzen sich meist nicht fort.
Dasselbe gilt für verlassene Vogelnester im Herbst. Die Flöhe sind einige Millimeter lang, schwarz und mit dem bloßen Auge sichtbar. Sie springen äußerlich sichtbar auf der Haut und können daher leicht gefangen und erkannt werden. Diese Flöhe können auch Menschen befallen. Falls eine Katze im Haushalt lebt, ist diese oft Überträger der Flöhe.
In Südeuropa lebt der gefürchtete ”Katzenfloh”, der in erster Linie auf Hund und Katze vorkommt. Dieser ist schwer zu sehen und zu fangen! Bei Reisen mit Hund oder Katze sollten daher vorbeugend Spot-on-Präparate oder Flohhalsbänder verwendet werden.

 

Behandlung

Dieselben rezeptfreien Mittel, die gegen Läuse verwendet werden, wirken auch sehr gut gegen Flöhe. Zwar ist nicht ein solcher Hausputz erforderlich, wie bei Läusen, aber man sollte dem Tier folgen, um den verlassenen Bau zu verbrennen, sodass die Flöhe verschwinden.

 

Hot Spot

Sogenannte ”Hot Spots” sind in der Sommerzeit, oder wenn der Hund viel gebadet hat, relativ häufig. Der ”Hot Spot” wird auch Sommerekzem, Retrieverekzem oder Feuchtekzem genannt.
Es handelt sich dabei um eine äußerliche Infektion auf der Haut, die durch die eigenen Staphylokokken-Bakterien des Hundes, die sich im feucht-warmen Fell wohlfühlen, verursacht wurde. Meistens ist das Fell auf einer drei bis zehn cm großen Fläche auf der Wange oder an den Schenkeln verklebt. Diese Ekzeme treten sehr schnell auf und jucken sehr stark. Sie können sogar schmerzhaft sein.
Außer Wärme und Feuchtigkeit können Allergien und Ungeziefer die Ursache sein.

 

Behandlung

Der Tierbesitzer kann selbst das Fell an der betroffenen Stelle sowie einige cm darum herum abschneiden. Wenn das Ekzem nicht zu groß ist, kann eine Behandlung durch Abwaschen mit einem antibakteriellen Mittel (Antiseptika) wie Chlorhexidin- oder Aluminiumacetotartrat-Lösung ausreichen. Ergänzend kann eine Salbe wie Zinkpaste oder rezeptfreie Hydrokortisonsalbe erforderlich sein.
Es ist wichtig, dass der Hund daran gehindert wird, die Wunde zu beißen, zu lecken oder zu kratzen. Dadurch wird die Wunde nur noch größer. Am besten ist die Anwendung eines Kragens. Falls die Schmerzen so stark sind, dass sich der Hund nicht behandeln lässt, muss der Tierarzt helfen. Oft ist eine Beruhigungsspritze erforderlich, damit sich der Hund rasieren lässt.
Manchmal neigen diese Ekzeme dazu sich zu verbreiten, und gegebenenfalls kann eine Allgemeinbehandlung mit Antibiotika und Schmerzmitteln notwendig sein.

 

Allergien

Man geht davon aus, dass zwischen zehn und 20 Prozent aller Hunde an Allergien leiden, mit häufigen Ohrenentzündungen sowie Juckreiz und Ekzemen an den Pfoten, in der Leistengegend und den Achselhöhlen zur Folge (vgl. mit der Neurodermitis beim Menschen). Diesen Hunden kann mit Behandlungen zu Hause geholfen werden.

 

Behandlung

Die Pfoten werden mit antiseptischem Shampoo, das u.a. Chlorhexidin enthält (Abb. 2) gewaschen. Bei regelmäßiger Anwendung über den gesamten Körper kann auch das Ekzem am Körper zurückgehen. Eine Spülung mit weichmachenden und feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen sowie fettende Salben unterstützen die geschädigte Haut an den Pfoten. 

 

Juckende Ohren

Juckende Ohren mit Ohrenentzündungen können bei nicht zu schweren Fällen ebenfalls selbst behandelt werden. Beim Tierarzt, in der Apotheke und teilweise im Zoofachhandel sind Ohrenschmalz lösende, antiseptische Ohrenreinigungsmittel erhältlich.

 

Behandlung

Der Gehörgang wird dazu mit dem Reinigungsmittel gefüllt. Es enthält oft Propylenglykol, welches den Ohrenschmalz löst, sowie Alkohol, der Bakterien abtötend wirkt (Abb. 3). Den Gehörgang eine Minute weich massieren. Dies sollte vorsichtig erfolgen, damit dem Hund nicht wehgetan wird. Nach ca. 10-15 Minuten wird das überschüssige Mittel abgetrocknet.
Die Behandlung kann einige Tage hintereinander erfolgen. Sollte das Ohr nicht heilen, sollte man sich an den Tierarzt wenden.
Hunde mit chronischen Ohrenbeschwerden sollten zu vorbeugenden Zwecken ein- bis zweimal pro Woche eine solche Behandlung erhalten.

 

Futtermittelallergie

Wird eine Allergie auf Futter vermutet, kann genauso wie bei Kindern nach dem Ausschlussverfahren vorgegangen werden. So wie der Mensch kann der Hund allergisch auf ein Protein in Ei, Weizen, Milch, Fisch oder Huhn reagieren.
Um festzustellen, worauf der Hund allergisch reagiert, werden unter einer achtwöchigen Periode neue Futterstoffe präsentiert. Wenn der Hund früher z.B. Huhn, Ei, Mais und Reis gefressen hat, erhält er jetzt acht Wochen lang Fisch und Kartoffeln. Bei vielen Lebensmitteln kann es außerdem zu einer Kreuzreaktion kommen. Lamm und Rindfleisch sind ein Beispiel dafür.
Während dieser Testphase dürfen dem Hund keine Kauknochen oder andere Snacks gegeben werden, sondern nur Wasser und das ausgewählte Futter derselben Marke. In einem anderen Futter kann z.B. Ei enthalten sein und damit wird der Diät nicht gefolgt!

 

Erbliche Schuppenbildung

Einige Hunderassen wie Spaniel und Golden Retriever können eine angeborene Veranlagung für Schuppenbildung haben (Abb. 4). Der Hund sollte dann in regelmäßigen Abständen gebadet werden. Das Shampoo sollte möglichst Schwefel und Salicylsäure enthalten; beide Stoffe lösen Schuppen und sind in Kombination noch wirksamer. Es empfiehlt sich die Anwendung einer feuchtigkeitsspendenden Spülung oder von Sprays.

Marianne Mellgren

Die Tierärztin MARIANNE MELLGREN ist Fachärztin für Dermatologie/Hunde und Katzen. Sie ist am Falu Tierkrankenhaus in Falun (Schweden) tätig.
 
Fußnote:
1 Permethrin = ein Insektizid, das als Kontaktgift auf das Nervensystem von Insekten wirkt. Permethrin hat auch eine abstoßende Wirkung.