SPC

Leif Göransson


Ein mittels eines natürlichen Prozesses behandelter Hafer kann unter anderem Beschwerden mit nervösem Magen und häufigem Durchfall bei Hunden lindern. Das Getreide stimuliert die Bildung eines natürlich im Körper vorkommenden Proteins, welches das Absondern von Flüssigkeit in den Darm reduziert.

Mitte der 80er Jahre identifizierten Forscher am Sahlgrenska Universitätskrankenhaus in Göteborg ein körpereigenes Protein, das bei Durchfall die Flüssigkeitszufuhr in den Darm verringert. Das Protein erhielt deshalb die Bezeichung antiskretorischer Faktor (AF). AF ist ein mittelgroßes Protein, dessen aktiver Teil aus 38 Aminosäuren besteht. Sowohl das Protein als auch die Peptide (kurze Aminosäureketten) haben einen antiskretorischen Effekt, d.h. sie wirken der Absonderung von Flüssigkeit in den Darm entgegen.


Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass AF in den meisten Körpergeweben vorkommt, wie z.B. in Epithelzellen (1), in lymphatischen Zellen (vor allem Lymphozyten (2)) und in Nervenzellen.


Man weiß heute, dass das AF-Protein natürlich in allen Tieren vorkommt. Es unterstützt die Regulierung des Flüssigkeits- und Ionentransportes durch die Zellmembran in die verschiedenen Organe. Das Protein hat grundlegenden Einfluss auf gesundheitliche Störungen bei denen die Sekretion (Absonderung) von Flüssigkeit von Bedeutung ist. Menschen und Tiere aus einem „sauberen“ Umfeld haben einen niedrigeren Gehalt an AF in Blut und Milch als solche, die in einem weniger sauberen Milieu leben. Beispielweise haben Frauen aus dem Slums von Bangladesh weit mehr AF in der Muttermilch als Frauen die unter guten sanitären Verhältnissen leben.  

 

Stimulierung der körpereigenen AF-Produktion durch Futter

Zunächst konnten die Forscher zeigen, dass die von einer Ratte gebildete Menge AF davon beeinflusst wird, wieviel Choleratoxin (Gift der Cholerabakterie) dem Darm des Tieres zugeführt wird. Im weiteren Verlauf konnten die Forscher beweisen, dass AF effektiv Durchfall vermindern konnte der - neben Choleratoxin - auch durch Toxine wie E.coli, Campylobacter und Clostridium difficile verursacht wurde.

Die Forscher kamen daraufhin zu dem Ergebnis, dass es möglich ist, die körpereigene AF-Produktion durch die Futterzusammensetzung zu stimulieren. Heute verwendet man Getreide, das einem hydrothermischen Prozess unterzogen wurde (SPC = specially processed cereals, spezialbehandeltes Getreide). In diesem Prozess kommen keinerlei Zusätze sondern ausschließlich Feuchtigkeit und Wärme zum Einsatz.

 
Zur Stimulierung der Bildung bzw. zur aktiven Zufuhr von AF werden heutzutage zwei Produkte verwendet. Außer SPC gibt es ein Eipulver das von Hühnern stammt, die mit AF-stimulierndem Futter ernährt wurden. Das Eipulver enthält aktives AF, das vom Darm aufgenommen wird und schnell wirkt.

Bei Vögeln wird AF über die Eier auf die Küken übertragen. Bei Säugetieren erfolgt die Übertragung an die Nachkommen über die Plazenta und die Milch.

 

Schnelle Produktentwicklung

1986 wurde die Entdeckung gemacht, dass die Bildung av AF über das Futter beeinflusst werden kann. Die Forscher wandten sich an die Entwicklungsabteilung von Lantmännen und in umfassenden Tests konnte gezeigt werden, dass ein Futter das die AF-Bildung anregt, bei Schweinen auch das Auftreten von Durchfall verringert. Außerdem verbesserte sich der Nährstoffaustausch bei Schweinen mit Darmproblemen.

 
Bereits 1989 kam das erste Futter auf dem Markt das die AF-Bildung bei zu entwöhnenden Ferkeln erhöht. Schon bald darauf folgten Produkte zur Wiederherstellung des Flüssigkeitshaushaltes bei Schweinen und Kälbern.

 

Umfassende Forschung auch im Dienste des Menschen


Die positiven Ergebnisse bei Schweinen und Kälbern veranlassten die Forscher dazu, das AF-stimulierende SPC auch bei Menschen mit entzündlichen Darmkrankheiten wie ulzeröse Kolitis (Dickdarmentzündung) und Morbus Crohn zu testen. Die Resultate waren auch hier sehr gut. Später hat sich weiterhin erwiesen, dass SPC auch Symptome bei der Ménière-Krankheit (3), bei chronischem Gelenkrheumatismus (rheumatoide Arthritis) sowei bei Brustdrüsenentzündungen bei Frauen mindert.

 

SPC in Tierfutter


Futterprodukte die die AF-Bildung anregen, werden seit nahezu 20 Jahren zur Fütterung von Schweinen und Kälbern verwendet, um das Auftreten von verschiedenen Durchfallerkrankungen zu reduzieren. Vor zwei Jahren brachte Lantmännen KRAFFT das erste Pferdefutter mit SPC auf den Markt. Das behandelte Getreide stärkt das Immunsystem und hilft Hochleistungspferden nach harter Arbeit schnell den Feuchtigkeitshaushalt wiederherzustellen. Auch beim sog. „Stressmagen“ zeigt SPC positiven Effekt. Probleme mit Durchfall aufgrund von Stress, wie z.B. bei Transporten oder Wettkämpfen, werden deutlich geringer. Aufgrund des großen Interesses bei Pferdebesitzern sind SPC-Produkte inzwischen auch für normal aktive Pferde erhältlich. 

 
Im Bekanntenkreis der Forscher sowie auch bei Personen die selbst SPC einnahmen gab es auch Hunde, die an ständig wiederkehrenden Durchfallschüben oder Stressmagen litten. Das SPC-Konzept wurde daraufhin auch an diesen Hunden getestet. In den meisten Fällen verschwanden die Beschwerden.

Die Forschung mit AF-stimulierendem Futter hat gezeigt, dass die Wirkung artenunabhängig bei allen Tieren mit einhöhligem Magen dieselbe ist. Darum können das gesammelte Wissen und die Erfahrungswerte von allen Tierarten (der Mensch eingeschlossen) auch angewendet werden, um die wahrscheinliche Wirkung für eine einzelne Tierart zu beurteilen.

 

Lantmännen AS-Faktor


Das AF-Konzept ist eine Kooperation zwischen Forschern des Universitätskrankenhauses Sahlgrenska in Göteborg und Lantmännen AS-Faktor. AS-Faktor unterstützt die Forschung und ist verantwortlich für die Vermarktung des Konzepts. Das Wissen um das Protein AF und das Peptid, sowie deren klinische Anwendung sind durch mehrere Patente geschützt.

 
Leif Göransson
Dr. agr. LEIF GÖRANSSON arbeitet in der Entwicklungsabteilung von Lantmännen AS-Faktor.

 

Begriffserkärungen:


1 Epithelzellen = die Zellen (oder obere Zellschichten) die Körperoberflächen wie Haut und Schleimhäute bedecken
2 Lymphozyten = kleine einkernige weiße Blutkörperchen
3 Ménière-Krankheit = zum Krankheitsbild gehören u.a. Anfälle von Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Ohrensausen